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DJ UPDATE: US-Wachstum verliert im zweiten Quartal an Dynamik


30.07.2010 - 15:34


DJ UPDATE: US-Wachstum verliert im zweiten Quartal an Dynamik

(NEU: Ökonomen)


FRANKFURT/WASHINGTON (Dow Jones)--Das Wachstum der US-Wirtschaft hat im zweiten Quartal in etwa wie erwartet an Dynamik verloren. Boomende Unternehmensinvestitionen und - in einem geringeren Maße - der Konsum stützten das Wachstum, während der Außenhandel die BIP-Entwicklung belastete. Die Benchmarkrevision der BIP-Daten seit 2007 zeigte zudem, dass die jüngste Rezession in den USA tiefer war als bislang berichtet. Bankvolkswirte erwarten, dass sich das Wachstum weiter verlangsamen wird, halten das Risiko einer Doppel-Rezession jedoch für gering.

Wie das Handelsministerium im Rahmen einer ersten Veröffentlichung am Freitag mitteilte, erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni um annualisiert 2,4% gegenüber dem Vorquartal. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten im Konsens mit einem Anstieg um 2,5% gerechnet. Zugleich wurde der BIP-Zuwachs im Vorquartal deutlich nach oben korrigiert. Im ersten Jahresviertel war das BIP den revidierten Angaben zufolge um 3,7% (vorläufig: plus 2,7%) gewachsen, nachdem im vierten Quartal 2009 ein Anstieg von 5,0% (plus 5,6%) verzeichnet worden war.

Im Zuge der jährlichen Benchmarkrevision wurden zudem die BIP-Daten seit Anfang 2007 überarbeitet und zumeist nach unten korrigiert. Im vergangenen Jahr verringerte sich demnach die Wirtschaftsaktivität in den USA um 2,6%, während bislang ein Minus von 2,4% berichtet worden war. Bankvolkswirte verwiesen darauf, dass der private Konsum im vergangenen Jahr deutlich stärker zurückging als zuvor angegeben. 2008 war lediglich eine Stagnation des US-BIP zu verzeichnen gewesen (plus 0,4%) und im Jahr 2007 nur ein BIP-Anstieg um 1,9% (plus 2,1%).

Das Wachstum im zweiten Quartal wurde vor allem von den privaten Investitionen getragen: Die Bruttoinvestitionen erhöhten sich um annualisiert 28,8% (Vorquartal: plus 29,1%), ihr Wachstumsbeitrag betrug 3,14 Punkte. Dabei kletterten die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen um 21,9% (plus 20,4%) und die Investitionen in Wohnbauten um 27,9% (minus 12,3%), was Beobachter auf die steuerlichen Hilfen für Hauskäufer zurückführten. "Da diese Vergünstigung inzwischen ausgelaufen ist, ist ein deutlicher Rückschlag im laufenden Quartal aber absehbar", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

Die Lagerinvestitionen trugen ebenfalls zum Wachstum bei, wenn auch nicht mehr so stark wie in den beiden vorangegangenen Quartalen. "Anscheinend dürfte der Lagerzyklus nun zum Großteil 'durch' sein, d.h. die Unternehmen haben ihre Lager wieder aufgefüllt, nachdem sie diese nach dem Lehman-Schock massiv reduziert hatten", erklärte Balz. Die Endnachfrage, definiert als BIP ohne Berücksichtigung der Lagerveränderungen, erhöhte sich annualisiert um 1,3%, nachdem im ersten Quartal ein Wachstum von 1,1% verzeichnet worden war.

Das Wachstum des Privatkonsums - wichtigste Stütze des US-BIP - schwächte sich etwas ab: Der private Konsum stieg im zweiten Quartal um 1,6% (plus 1,9%) und lieferte damit einen Wachstumsbeitrag von 1,15 Punkten. Der Staatskonsum nahm um 4,4% (minus 1,6%) zu und stützte das BIP mit 0,88 Punkten. Die Exporte erhöhten sich im zweiten Quartal mit einer annualisierten Rate von 10,3% (plus 11,4%) und die Importe um 28,8% (plus 11,2%). Die Nettoexporte schmälerten damit das Wachstum um 2,78 Prozentpunkte.

"So sehr die jüngste Stärke der inländischen Endnachfrage auch erfreut, so steht doch zumindest ein Teil davon noch auf wackeligen Beinen", sagte Postbank-Ökonomin Fabienne Riefer. Aktuell deute sich eine weitere Verlangsamung des privaten Konsums an, und bei den Wohnungsbauinvestitionen scheine es nach Ende der staatlichen Unterstützung zu einem deutlichen Rückschlag zu kommen. Gleichzeitig stelle aber der Aufschwung bei den Ausrüstungsinvestitionen einen gewissen Stabilitätsanker dar.

Die Postbank erwartet für den weiteren Jahresverlauf aufgrund der nachlassenden Wirkung der Konjunkturpakete und der fortgeschrittenen Normalisierung der Lagerbestände eine schleppendere Erholung der US-Wirtschaft. "Für das Gesamtjahr 2010 bleiben wir vorläufig bei unserer Prognose von 2,8% Wachstum", sagte Riefer. Mit einem verhaltenen Start ins Jahr 2011 dürfte die Wachstumsrate 2011 dann etwas niedriger ausfallen.

NordLB-Ökonom Tobias Basse kommentierte die Veröffentlichung der BIP-Daten mit den Worten: "Der Aufschwung ist robust." Auch die weiteren Aussichten blieben eher erfreulich, denn trotz zuletzt schwächerer Konjunkturdaten gebe es keine Signale, die in Richtung eines drohenden "Double-Dips" deuteten. Aufgrund der Benchmarkrevisionen werde die BIP-Prognose der NordLB zwar in den Details angepasst, das grundsätzliche Bild von der Lage der US-Wirtschaft ändere sich dadurch aber nicht, sagte Basse.

Auch nach Einschätzung des Commerzbank-Ökonomen sprechen die Daten - trotz Wachstumsverlangsamung - gegen einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession. Balz verweist zur Begründung auf die boomenden Investitionen. "Wir sehen unser Bild einer im historischen Vergleich und angesichts des vorherigen starken Einbruchs mäßigen Erholung bestätigt", erklärte der Ökonom. Diese werde die Fed aber weder zu raschen Zinserhöhungen, noch zu zusätzlichen Stimulusmaßnahmen bewegen.



-Von Katrin Härtel, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69 29725 300,
konjunktur.de@dowjones.com
DJG/kth/bam


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July 30, 2010 11:34 ET (15:34 GMT)

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