DJ Börse Frankfurt/Markttechnik: Hausse oder Baisse oder was?
22. April 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Tauziehen zwischen
Bullen und Bären hält an. Hauptthema bleibt dabei die Frage, ob es sich bei der
jüngsten Erholungsbewegung um den Beginn eines neuen Aufwärtstrends handelt
oder ob die übergeordnete
Baisse weiter intakt ist. Während der DAX® zur
Wochenmitte wieder leichte Gewinne verbucht, zeigen sich technische
Analysten skeptisch und schließen erneute Rückschläge vorerst nicht aus.
Der Handel mit
Indexfonds ist zur Wochenmitte hektisch und nervös.
"Institutionelle Investoren springen heute mit großen Orders bei den
Bluechips rein und raus und versuchen wenige Punkte gutzumachen", berichtet
ein
Market Maker und nennt das Trading. Ein
Trend lasse sich dabei nicht
ausmachen. Die meistgehandelten Indextracker iShares DAX (DE) (WKN 593393)
und iShares DJ EURO
STOXX 50 (DE) (WKN 593395) werden zwar überwiegend
gekauft. "Es würde mich aber nicht wundern, wenn die Stücke heute genauso
schnell wieder zurückkommen, wie sie weg gegangen sind", kommentiert der
Händler.
Um die Mittagszeit notiert der DAX mit 4.524 Punkten rund 0,5 Prozent im
Plus.
Das Ende der Erholung?
Nach Einschätzung von Christian Henke, technischer
Analyst bei der WestLB,
setzt sich der übergeordnete Abwärtstrend an den Aktienmärkten zunehmend
wieder durch. "Die beiden vergangenen Handelstage könnten das Ende der
jüngsten Erholung eingeläutet haben. Rutscht der DAX nachhaltig unter die
Marke bei 4.436 Punkten, wären die horizontale Unterstützung sowie die
Unterseite des seit Anfang März 2009 gültigen Aufwärtstrendkanals nach unten
durchbrochen", erklärt der Techniker. In diesem Fall könne es dann erneut in
Richtung der Haltelinie bei etwa 4.180 Punkten gehen.
Neues Verkaufssignal beim Dow Jones
Der amerikanische Leitindex Dow Jones habe unterdessen zuletzt ein neues
Verkaufssignal generiert. "Nach dem gescheiterten Versuch, die Reihe aus
mehreren Verlaufshochs und -tiefs bei 8.130 Punkten zu überwinden, musste
auch die Unterstützung bei 7.930 bis 7.939 Punkten preisgegeben werden. Als
Kursziel fungiert nun ein Fibonacci-Niveau bei 7.420 Zählern."
Das "Fibonacci Retracement" ist ein
Indikator aus drei Linien, der hilft,
nachfolgende Gebiete der Unterstützung oder des Widerstandes als Bereiche
für potentielle Trendkorrekturen zu finden. Dies sind Zonen, in denen Preise
stagnieren könnten, bzw. in denen ein Preisabfall gestoppt werden könnte.
Hausse noch weit entfernt
"Die
Baisse hat vorerst auf jeden Fall weiter Bestand", meint Henke und
weist darauf hin, dass sowohl der DAX, als auch der Dow Jones für eine neue
Hausse zuerst ihre oberen Trendlinien der Abwärtstrendkanäle signifikant
überwinden müssten. "Davon sind beide
Indizes derzeit aber noch sehr weit
entfernt."
Preishürden in Sicht
Martin Siegert, Head of Technical Trading bei der Landesbank Baden
Württemberg, zeigt sich auf kurze Sicht zwar optimistisch und rechnet bei
einem Überwinden der Marke von 4.680/4.690 DAX-Punkten mit einer neuen
dynamischen Kursbewegung in Richtung 5.000 Zähler. Auf diesem Preisniveau
stehe der
Index dann aber vor wichtigen mittelfristigen Preishürden. "Kurse
unter der Marke von 4.390 Punkten würden das bullische Szenario jedoch
eintrüben und lassen den Übergang in eine mehrwöchige Kurskorrektur
erwarten", fügt Siegert hinzu.
Wohin geht es mit dem Gold?
Von den jüngsten Kursverlusten an den Aktienmärkten zu Beginn der Woche
konnte der zuletzt unter Druck geratene Goldpreis profitieren. Wie Jochen
Stanzl, Chefredakteur von Rohstoff-Report.de, berichtet, wird Gold derzeit
als "Angstindikator" gekauft. "Wenn Gold jetzt nachhaltig über 900 US-Dollar
ansteigt, wäre dies stark bullisch für den Preis. Neue Hochs über 1.000
Dollar wären dann die wahrscheinliche Folge." Allerdings könne das
Kreuzfeuer gebildet aus schwacher Schmucknachfrage und überaus starkem
Dollar auch zu einem weiteren Abrutschen der Goldpreise führen: "Wenn die
Unterstützung bei 833,50 US-Dollar nach unten durchbrochen wird, sind sogar
654 US-Dollar auf Sicht der kommenden Monate möglich." In welche Richtung es
mit Gold gehen wird, hängt nach Ansicht Stanzls stark von der
Risikobereitschaft der Anleger ab. "Steigt der Dow Jones bis zum maximalen
Kursziel von 9.400 Punkten, so würde Gold sicherlich die Unterstützung bei
833,50 US-Dollar testen und möglicherweise auch unterschreiten. Wenn der
Aktienmarkt jetzt in eine Korrektur übergeht, könnte Gold nach oben
ausbrechen. Ich tendiere aber eher zu weiter steigenden Aktienmärkten und
fallendem Gold in den nächsten Wochen."
Zuwachs im Bullenlager
Die Anlegerstimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche verbessert, das
ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentiment-Erhebung der Börse
Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Bei den Bluechips konnte das
Bullenlager immerhin um 7 Prozent zulegen. 4 Prozent der Befragten haben für
die Neuengagements ihre Short-Positionen aufgelöst, die übrigen waren zuvor
nicht im
Markt. Die TecDAX-Investoren zeigen sich unterdessen weniger
optimistisch und nehmen vermehrt eine neutrale Haltung ein.
© 22. April 2009/Karoline Koch
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April 22, 2009 08:33 ET (12:33 GMT)